Notre Dame de Paris: Gotik, Neogotik und das achte Gebot.

Notre Dame ist abgebrannt. Das Dach und der Vierungsturm, der Turm über dem Schnittpunkt Querschiff / Hauptschiff ist hinüber. Ein Juwel der Gotik… ein Trauerspiel. Zumindest 1/3 der Kunstgegenstände und die Dornenkrone des Herrn konnten gerettet werden und bis auf drei Verletzte, denen ich hier gute Besserung wünsche, gibt es auch keine Personenschäden. Grade kam im Radio die Nachricht, dass die französische Regierung einen Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau der Kathedrale ausrufen will. Die Regierung erlaubt übrigens den Architekten auch eigene, moderne Ideen für den Vierungsturm.

Sakrileg! Höre ich da einige schreien. Come On, rufe ich diesen Leuten zu. Erstens hat die Kirche schon schlimmere Sakrilege erlebt (während der Französischen Revolution war es zeitweise Tempel des Höchsten Wesens, dann Weindepot. Wer die Kathedrale mal in dieser Zeit besuchen möchte, der soll bitte Assasins Creed: Unity spielen). Die meisten gotischen Statuen wurden damals zerstört. Der Vierungsturm stammte übrigens aus dem 19. Jahrhundert, ist also noch nicht mal 200 Jahre alt und gehört zur Kunstrichtung Neogothik. Naja, zumindest wurde der größte Teil der Kathedrale tatsächlich in der Gotik fertig. Die bekanntesten deutschen Dome aus dieser Zeit wurden erst im 19. Jahrhundert fertig. Der in Köln war 300 Jahre lang eine Bauruine.

 

Zur Neogotik noch ein paar Gedanken. Wer eine schöne neo- oder neugotische Kirche sehen will, der ist in St. Nikolaus in Oberpiebing an der richtigen Adresse. Die ganze Kirche ist neugotisch. Um 1860 rum war man in Oberpiebing den Barock leid und hat kurzerhand die ganze Inneneinrichtung ausgetauscht. Die neue Inneneinrichtung war dann dem damaligen Zeitgeist entsprechend neogotisch.

 

Zuletzt möchte ich noch auf eine Sache hinweisen, die mir beim Brand sauer aufgestoßen ist. Kaum sind die ersten Bilder über den Äther geflimmert, konnte man im Internet (zum Beispiel auf Welt.de) Kommentare wie etwa diesen hier lesen:

Da brennt Notre-Dame noch, da wissen schon einige Experten vor Ort, dass es vermutlich kein Anschlag war. Wie soll das gehen? Ein Wahrzeichen des Abendlandes, eingerüstet, ist die Gelegenheit für einen Anschlag. Wer vom Bau kommt weiß, dass man relativ problemlos an ein eingerüstetes Objekt herankommt. […] Die französischen Sicherheitsleute werden das Objekt auf ihre typische Art lässig im Auge behalten haben. Wenn es überhaupt welche gab. Ein Herr meinte hier. Der Brandbeschleuniger lässt sich relativ leicht nachweisen. Wie denn? […] Wenn es ein Anschlag war, werden wir das nie erfahren! Niemals! Man weiß warum…..

 

Als Fledermaus aus dem Landkreis Straubing-Bogen, die vor ein paar Jahren erst das Rathaus auf ähnliche Weise verloren hat und als jemand, der Wahrheit als hohes Gut hält und als jemand, dem Faschisten auf den Sack gehen, geht mir bei so was der Hut hoch. Dieser Kommentar baut einen Verschwörungsmythos auf, immer unter dem Vorwand, dass man dies ja wohl mal sagen dürfe. Und wenn es dann doch kein herbeigeredeter Anschlag von Muslimen war, dann wird darauf hingewiesen, dass das ja zumindest denkbar gewesen wäre. Ich zitiere jetzt mal 2. Buch Mose 20,16:

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

Dieses Gebot gilt auch auf Twitter und Facebook. Verbreitung von Gerüchten und Halb. Und Viertelwahrheiten fallen auch drunter! Wer dagegen gesündigt hat, hat ja Morgen Zeit, bei den Karmelitern in Straubing vorbeizuschauen und zu Beichten. Eine Idee für die Buße hätte ich Auch schon… 100 mal „Ich soll nicht lügen, schwindeln oder hetzen“ auf Facebook posten.

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