Von Juden, Heiden, Petrus und einem Schweinsbraten – Warum dürfen wir Christen Schweinebraten essen?

Mein Schwesternblog drüben macht gerade beim aktuellen Karneval der Rollenspielblogs mit. Diesen Monat geht es um das Thema Essen.

„Karneval? Ist der nicht schon vorbei? Und das Thema Essen in der Fastenzeit?“ hör ich euch schon sagen. Nun, die Rollenspielergemeinde veranstaltet jeden Monat einen sogenannten Rollenspielerkarneval. Da schreibt dann jeder teilnehmende Blog zu einem bestimmten Thema. Drüben beim Troll geht es um Nahrungsmittelrestiktionen im Rollenspiel, da wollte ich was dazu aus christlicher Sicht schreiben. Übrigens… die Sonntage zählen nicht zur Fastenzeit dazu. Wenn man das schummeln beim Fasten lernen will, dann frage man bei und Katholiken an. Nun, zu unserem Thema.

Warum dürfen wir Christen Schweinebraten essen?

Das Christentum hat sich ja aus dem Judentum entwickelt. Und für beide gilt das Alte Testament als verbindliches, heiliges Buch / Gesetz. Dummerweise scheint Gott und Moses nicht viel für eine Schweinshaxe übrig gehabt zu haben.

Nur diese dürft ihr nicht essen von dem, was wiederkäut oder gespaltene Klauen hat: das Kamel, denn es ist zwar ein Wiederkäuer, hat aber keine durchgespaltenen Klauen, darum soll es euch unrein sein; den Klippdachs, denn er ist zwar ein Wiederkäuer, hat aber keine durchgespaltenen Klauen; darum soll er euch unrein sein; den Hasen, denn er ist auch ein Wiederkäuer, hat aber keine durchgespaltenen Klauen; darum soll er euch unrein sein; das Schwein, denn es hat wohl durchgespaltene Klauen, ist aber kein Wiederkäuer; darum soll es euch unrein sein. Von ihrem Fleisch dürft ihr weder essen noch ihr Aas anrühren; denn sie sind euch unrein. 3. Mose 4-8

Übrigens sind auch Schrimps und Krabben, Kalamaris und Muscheln tabu und dem Herrn ein Gräuel, wie es so schön heißt.

Gott sei Dank hat der Sohn vom Chef dieses Gebot etwas abgeschwächt:

Nicht was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein. Da traten die Jünger hinzu und sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass die Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten? Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis! Er sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig? Versteht ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert?Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein. Matthäus 15, 11-20

Richtig fahrt nimmt die Geschichte aber mit Petrus und Kornelius auf. Kornelius war römischer Hauptmann in Cäsaria und ein recht wohltätiger, christiusgläubiger Typ. Sein Problem: Er war kein Jude. Bis dahin war das Christentum nämlich nicht mehr als eine kleine, radikale, jüdische Sekte. Die Apostelgeschichte berichtet darüber. Zwei Stellen sind für unser Thema relevant. In der einen, der Späteren, geht es darum, wie Petrus den Hauptmann tauft, was seine jüdischen Gefährten außer sich bringt und zum ersten Apostelkonzil führt, auf dem gegen den Willen des Herrenbruders Jakobus die Missionierung der Heiden beschlossen wird (APG 10, 34-47). Die erste Stelle ist das Vorgeplänkel dazu, in dem Gott durch ein Gleichnis dem Petrus den Auftrag zur Mission gibt:

Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde. Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn, und er sah den Himmel aufgetan und ein Gefäß herabkommen wie ein großes leinenes Tuch, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines und Unreines gegessen. Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein. Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Gefäß wieder hinaufgenommen gen Himmel. APG 10, 9-16

Das Apostelkonzil legte damals übrigens auch fest, dass sich die Nicht-Judenchristen nicht an die Speisevorschriften halten müssen. Auch die beschneidung muss nicht sein. Treibende Kraft dahinter war Gottes Wandersocke, Paulus, der zuvor in Antiochia mit Gefolgsleuten des Herrenbruders über genau dieses Thema in Streit geraten war. Nochmal kurz zur Einordung: Als Saulus war er früher ein Pharisäer gewesen und hielt sich streng an die Regeln, als Christ vertrat er dann in vielen Dingen genau die gegenteilige Meinung. Die Bekehrung hatte ihn radikal gewandelt. Er muss damals ein faszinosum gewesen sein.

Die letzte Bibelstelle, die uns den Schweinsbraten erlaubt, steht in den Römerbriefen. Liebe Veganer*innen, ihr müsst jetzt ganz stark sein, denn…

Der eine glaubt, er dürfe alles essen. Der Schwache aber isst kein Fleisch. Wer isst, der verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, der richte den nicht, der isst; denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber stehen bleiben; denn der Herr kann ihn aufrecht halten. Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der andere aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei seiner Meinung gewiss. Wer auf den Tag achtet, der tut’s im Blick auf den Herrn; wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch. Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es steht geschrieben (Jesaja 45,23): »So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.« So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts unrein ist an sich selbst; nur für den, der es für unrein hält, für den ist es unrein. Wenn aber dein Bruder wegen deiner Speise betrübt wird, so handelst du nicht mehr nach der Liebe. Bringe nicht durch deine Speise den ins Verderben, für den Christus gestorben ist.Es soll doch nicht verlästert werden, was ihr Gutes habt. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Römer 14, 2-17

Hey, das gefällt mir. „Wenn aber dein Bruder wegen deiner Speise betrübt wird, so handelst du nicht mehr nach der Liebe.“ Den Satz bringe ich das nächste mal, wenn ich mit meinem veganen Freund essen gehe, er in seinem Linsen-Kokus-Curry stochert und mich vorwurfsvoll ansieht, während ich mir ein Schäufele schmecken lasse!

Bis die Tage

euer Leander Kirchenfledermaus

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