Die BAD ASS Heiligen der Kirche

Gestern habe ich eine Karte aus Mexiko bekommen, von meinem Cousin Emanuel Salvatore. Die Katze zeigt die „Santa Muerte“. Santa Muerte, denkst du jetzt sicher, nie gehört. Macht auch nichts, denn die katholische Kirche hält den Kult um die Heilige, die als eine Art skelettiert Maria dargestellt wird und vor allem als Schutzheilige der Drogendealer, Mörder, Prostituierten und Polizisten verehrt wird, für eine satanische Ausgeburt der Hölle. Dass sie aber von eben jenen zwielichtigen Gestalten angebetet wird, zeigt, dass die Kirche Probleme hat, die Ränder der Gesellschaft zu erreichen.

 

Wirklich? Nein! Denn die Kirche kennt da ein paar wirklich BAD ASS Heilige, die es wert sind, hier mal vorgestellt zu werden.

 

MOSES der Äthiopier – Vom Räuberhauptmann zum Märthyrer

Moses Leben stand, zumindest am Anfag, nicht gerade unter einem guten Stern. Er war zunächst Sklave in Ägypten. Doc als Sklave taugte er offenbar nicht viel. Der große und starke Äthiopier raubte und stahl schon damals, soll Leute umberacht haben und wurde dann von seinem Herren vertrieben. Innerhalb von kurzer Zeit wurde dann aus dem ehemaligen Skalven der Hauptmann einer 75 köpfigen Räuberbande. Die waren so grausam und erfogreich, dass ich mir vorstellen könnte, die Räber dienten als Vorlage für die 40 Räuber aus der Ali Baba Geschichte. Als ihm die Ordnungshüter (Römer. Ägypten war um 350 rum noch römisch, ab 395 byzantinisch) zu sehr auf die Pelle rückten, suchte er in einem Kloster in der Wüste Asyl. Was dort passierte, lässt sich wohl am besten mit einem Lied beschreiben:

Auch als Mönch soll er noch lange zeit zu gewalttätigen Ausbrüchen geneigt haben, jedoch sich seiner Fehler bewusst gewesen sein und gefastet haben. Ihm wird auch die Macht über Dämonen zugeschrieben. Welcher Dämon würde nicht weichen wollen, wenn Moses ihn persönlich aus dem Leib des Besessenen in die Hölle zurückprügelt.

Bei einem Berberangriff im Jahre 407 fand Moses und seine Mitbrüder den Märtyrertod. Verehrt wird Moses nicht nur bei den Kopten in Ägypten, er gilt auch uns Katholiken als Schutzheiliger Afrikas und der Afroamerikaner, der Prämostatienser in Raymond, Mississippi und als Schutzpatron der Gefängnisseelsorger. Dem wilden Mönch aus Ätiopien gedenken wir Katholiken gemeinsam mit den orthodoxen Christen am 28.August, die Kopten am 18. Juni.

 

 

Afra von Augsburg – Die Tempelhure, die in Schwaben katholisch wurde

File:Heilige Afra.jpg
Ausstattung der ehemaligen Seitenaltäre der Meßkircher St. Martinskirche, Standflügel: Heilige Afra von Augsburg, Standflügel, Gegenpart zu Heiliger Paul Eremit Eingescannt aus: Anna Moraht-Fromm und Hans Westhoff: Der Meister von Meßkirch – Forschungen zur südwestdeutschen Malerei des 16. Jahrhunderts, Ulm, 1997, S. 161 rechts This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author’s life plus 100 years or less.

Von Afra gibt es nur mündliche Überlieferungen, die erst gut 500 Jahre später aufgeschrieben wurden. Afra stammte wohl aus Zypern, musste aber tief in die Provinz Rätien fliehen, nachdem ihr Vater, der König von Roms gnaden, erschlagen wurde. Ihre Mutter, später ebenfals eine katholische Heilige, hatte sie zum Diest an der Göttin Venus bestimmt (sie sollte also Tempeldirne werden). Nachdem sie Bischof Nazissus vor seinen Heschern versteckt hat (Kaiser Diokletian ließ mal wieder Christen verfolgen), wurde sie Christin und starb als Märtyrerin auf einer Insel im Lech –  sie wurde bei lebendigem Leib verbrannt.

Afra ist die Schutzheilige der (reuigen) Prostituierten und Büßerinnen sowie alle, die vom Feuertot bedroht sind. Übrigens… der Dom zu Speyer vermisst einen Zehenknöchel der Heiligen. Wer ihn findet, soll ihn bitte zurückbringen. Festtag der Wahlaugsburgerin ist der 7. August.

 

 

Dismas – Der rechte Schächer

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/06/Grazer_Kalvarienberg-Kreuzigungsgruppe-Dismas.JPG
Deutsch: Grazer Kalvarienberg, Kreuzigungsgruppe, Dismas von Jakob Gschiel, 1880 CC BY-SA Andi oisn Das es Dismas ist, erkennt man an zwei Details. 1) die Figur schaut nach links, wo der Herr hing (Dismas war ja der rechte Schächer) 2) Die Figur hat keinen Heiligenschein

Dismas ist so ein Fall eines Heiligen, der kein Heiliger ist. Zumindest wurde er nicht von der katholischen Kirche heiliggesprochen. Aber der Bua vom Chef scheint einen Narren an ihm gefressen zu haben:

Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Evangelium Nach Lukas 23,39-43

Lukas ist übrigens der einzige Evangelist, bei dem Dismas so gut wegkommt, bei Markus und Mathäus verspotten beide Schächer den Herren. Der Name ist aus dem Nikodemusevangelium überliefert. Dieses Evangelium ist eine apokrypische Schrift, spich, das Teil, das eigentlich eine Zusmmenfassung der Passionsgeschichte ist, hats nicht in die Bibel geschafft. Dismas wurde auch nie so richtig verehrt, obwohl er einen Gedenktag hat (25 März bei uns Katholiken und zwei Tage früher bei den Orthodoxen Christen). Er gilt aber als Schutzheiliger der Todeskandidaten, der Totengräber und der Gefangenen. An Galgenbergen und Richtstätten stand im Mittelalter eine Dismasstatue, an der der zu Richtenden vorbeigekarrt wurden.

 

 

Leonhard – Der kloane Herrgott und Kettensprenger

Leonhard war ein französischer Adliger, der später zum Eremiten und Klostergründer wurde. Er setzte sich vor allem für Gefangene ein. Seine Könige, Chlodwig und später seinen Sohn Chlothar, überredete er immer wieder, Gefangene zu begnadigen. Auf sein Gebeht hin sollen sogar massive Eisenketten zersprungen sein -daher auch die Ketten als Attribut (welches des Lateins nicht mächtige Bauern als Viehketten missdeuteten. So kam der barmherzige Mönch zum Patronat über Ochs und Pferd). Etliche der von ihm Befreiten sollen dann später in das von ihm gegründete Kloster eingetreten sein.

Leonhard gilt, neben dem ganzen bäuerlichem Viehschutzaspekt, als Schutzheiliger der Gefangenen und wird auch bei Geschlechtskrankheiten angerufen. Sein Gedenktag ist der 6. November, der besonders in Bad Tölz feierlich begangen wird. Neben dem Pferdeaspekt steht dort auch der Gefangenenaspekt im Vordergrund: In der Wahlfahrtskapelle des Leonhard auf dem Kalvarienberg wird der Sendlinger Mordweihnacht gedacht.

 

Die schwarze Sara – Die Schutzheilige der Sintis und Romas

Woher Sahra stammte… ungewiss. Da kommt der ganze Nahe Osten in betracht. Sie war die Dienerin der drei Marien (Maria Magdalena, Maria Salome und Maria, die Frau von Kleophas). Als diese um 42 nCh fliehen mussten (Christenverfolgung), landete sie mit ihrnen Herrinen an der Küste Südfrankreichs und verdiente den Lebensunterhalt für die Marien mit Betteln. Die Sinti und Roma haben sie zur Schutzheiligen erwählt. Ihr Festtag am 25 Mai ist in Saintes-Maries-de-la-Mer ein riesiger Festtag.

 

 

 

Franziskus – Weg mit dem Tant, her mit der Kutte

Franz ist ein weiterer Heiliger, der als reicher Sproß begann und sich dann den gesellschaftlichen Außenseitern, den Armen zuwandte. Seine Eltern waren reiche Tuchhändler, er selbst wurde wohl in Frankreich geboren (Francesco bedeutet so viel wie kleiner Franzose) und soll in seiner Jugend wohl ein ziemlicher Lebemann (vulgo: Trunkenbold) gewesen sein. Sogar in einem Krieg soll er mitgefochten haben… Assisi verlor diesen jedoch, und dahin war der ganze Reichtum. Auf dem Weg zu einen weiteren Krieg kam dann die Berufung durch Gott, es folgte ein Jahr als Einsiedler, eine Romwahlfahrt, Streit mit seinem Vater (der überhaupt nicht damit einverstanden war, dass der älteste Filius das Familienvermögen an die Armen verschleuderte) und um 1205 er entgültige Gottesruf, das Haus der Kirche zu erneuern. Keine fünf Jahre später wurde der Orden gegründet, die sich als Wander- und Busprediger bezeichneten… was, wann man bedenkt wie die Kirche gegen andere Bettlerorden vorging, wohl nicht die schlechteste Wahl war. Als wundertätiger Wanderprediger, der der Heiligenlegende nach mit Tieren reden konnte, kam er weit herum. Im Nildelta predigte er vor dem Sultan, er pilgerte auch ins Heilige Land. In seinem Orden rumorte es aber, nicht jeder war mit seinen strengen Regeln einverstanden, und so zog er sich um 1221 aus diesem zurück. Die letzten Jahre lebte der erblindete Franz dann als Einsiedler. Keine zwei Jahre, nachdem Franz seinen letzten Atemzug getan hatte, wurde er schon heiliggesprochen.

Sein Tag ist der 4. Oktober (die evangelischen feiern ihn einen Tag früher) und er gilt, neben seinem Armutsaspekt, als Schutzheiliger des Umweltschutzes,

 

 

Ignatius von Loyola – vom Soldaten zum Soldaten… Christi

Da Ignatz. Begonnen hat er sein Leben als Spr0ss einer adligen, baskischen Familie, er wurde Soldat und am 20.Mai 1521 bei der Verteidigung Pamplonas gegen die Franzosen schwer verwundet. Am Krankenbett ging ihm der Lesestoff aus und er griff sich die Heilige Schrift. Ignatz ist also auch so einer, in dem Gottes Liebe erst heimlich still und leise fallen musste.

Jedenfalls legte er bald darauf seine Lebensbeichte ab. Laut Überlieferung soll sie drei Tage gedauert haben. Drei Tage tour jure Beichten… dem armen Mönchlein, dass da im Kloster Montserrat die Beichte abgenommen hat, müssen die Ohren ordentlich geklingelt haben.

Ignatz studierte erst mal Latein und Theologie, wurde 1537 zum Priester geweiht, gründete 1540 die Jesuiten (Soldaten Christi. Ganz kam er von seiner militärischen Vergangenheit wohl nicht los).

1556 starb er dann am chronischen Fieber, bereits 1622 wurde er heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist sein Sterbetag, der 31 Juli.

„So wie Ignaz stellt sich ein, wird der nächste Januar sein.“ Alte Bauernregel

 

 

Phöbe –  Diakonin und Rechtsbeistand für Christen

Von Phöbe wissen wir aus dem Römerbrief (Röm 16,1):

Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die auch Dienerin der Gemeinde von Kenchreä ist: Nehmt sie im Namen des Herrn auf, wie es Heilige tun sollen, und steht ihr in jeder Sache bei, in der sie euch braucht; denn für viele war sie ein Beistand, auch für mich selbst.

Deutsch: Karte des Isthmus von Korinth. CC BY Fremantleboy Bis die Stadt 1858 durch ein Erdbeben zerstört und im gleichen Jahr vier Kilometer weiter, an der Küste, wieder aufgebaut wurde, lag Korinth mittem im Land. Kenchreai, die Heimat von Phöbe, lag am Saronischen Golf und war der Hafen von Korinth.

Der Text ist kurz, verrät aber ziemlich viel: „Dienerin der Gemeinde“ bedeutet so viel wie Diakonin, „steht ihnen in jeder Sache bei…“ bedeutet, dass sie die durchreisenden Christen beherbergt und ihnen auch als Rechtsbeistand beiseite stand. Eine ziemlich starke Stellung für eine Frau i, 1.Jhdt nach Christus.

 

 

So, warum sind diese Heiligen BAD ASS Heilige? Weil sie dorthin gingen oder von dort kamen, wo es weh tut. Aus der Peripherie der Gesellschaft, von Dort, wohin ein Namensvetter eines dieser Heiligen vor nicht allzu langer Zeit die Kirche zurückgeschickt hat.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen diesen Heiligen und dem Kult um Santa Muerte. Letztere wird vor allem angerufen, um seine bösen Absichten vor Entdeckung und Konsequenzen zu schützen. Die oben genannten Heiligen aber schützen vor allem vor den bösen Absichten an sich und treten für die Reuigen ein.

Zudem können sie uns heute auch Vorbild sein. Egal wie dein bisheriges Leben verlaufen ist: Wenn Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, dann wirkt sie fort. Also hat jeder das Zeug zum Heiligen. Wir müssen uns nur drauf einlassen.

 

Bis demnächst, euer Leander Kirchenfledermaus

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